Bürokratie vom Feinsten oder: Der verschollene Pass (3. Folge)

Die einmonatige Wartefrist, die es laut israelischer Post braucht, bis man eine nicht angekommene eingeschriebene Sendung als „verschollen“ erklären kann, lief heute ab. Also fuhr ich frühmorgens zur Poststelle (nicht bei uns, neinnein, in der Stadt!), um dann innerhalb einer halben Stunde (! – wieso braucht jemand zum Ausdrucken einer einzigen Seite eine halbe Stunde? Sogar ich schaffe das schneller) das benötigte Papier endlich in den Händen zu halten.

Mit Zwischenstop daheim ging’s dann zu viert weiter ins Innenministerium, das natürlich dank Ferienzeit total überlaufen war. Zum Glück hatte ich als voraussschauende Mutter Snacks und Bücher für die Kinder eingepackt. Nach einer gefühlten Ewigkeit durften wir endlich an einen der vielen Schalter. Die Dame dort war sehr nett (hilft nicht viel, aber ist trotzdem schön) und meinte, das sei aber wirklich selten, dass ein Pass unterwegs verloren gehe. Wir füllten daraufhin noch eine zweite Seite Formular aus, übergaben zwei Passbilder und den Brief von der Post – und warteten, da bis zum obersten Verantwortlichen jeder Beschäftigte einen Blick in den Computer werfen musste. Die Hauptverantwortliche musste dann noch etwas unterschreiben, und dann durften wir gehen – natürlich erst nach Bezahlung der Summe von 125 Shekeln. Mit dieser Quittung können wir das Geld von der Post zurückfordern.

Fehlt da nicht was? Richtig: Den Pass können wir erst am Montag abholen, da heute erst die Pässe ausgedruckt werden, die vorgestern beantragt wurden und man keine Ausnahmen machen kann. Na toll! Als ob wir nichts anderes zu tun hätten, als im Innenministerium herumzusitzen und zu warten!

Und nun noch das Zückerchen: Wir wurden gewarnt. Sollte nämlich Töchterchen ihren Pass nochmals verlieren, würde sie keinen neuen mehr erhalten. Aber wir sind doch gar nicht schuld! Nein, natürlich nicht, doch im Computer gilt Verlust als Verlust, egal, wie die Umstände waren. So eine Frechheit!

(Fortsetzung folgt)

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