Es ist vorbei

Am Freitagmittag ist meine Schwaegerin, die ich waehrend fuenf Monaten gepflegt habe, gestorben.

Sie wurde am Dienstagabend auf eigenen Wunsch in ein Krankenhaus verlegt, wo eine Lungenentzuendung diagnostiziert und mit Antibiotika behandelt wurde. Ich habe sie am Mittwoch noch besucht – sie sah sehr schlecht aus, redete fast nichts mehr, fand fast keine bequeme Lage, atmete nur sehr flach und schnell. Der Puls lag staendig bei etwa 110 Schlaegen pro Minute, der Sauerstoffgehalt im Blut schwankte zwischen 90 und 83… und ihr war immer heiss.
Am Donnerstag wurde ihre Tochter vorbeigebracht, um sich zu verabschieden. Der beste Ehemann von allen war dabei und erzaehlte, es sei extrem hart und schwierig gewesen. Er habe geweint wie ein Baby.
Ich fuehlte mich seltsamerweise den ganzen Freitag schon unerklaerbar traurig. Und um 13.30 Uhr kam der Anruf vom Krankenhaus: Meine Schwaegerin habe keinen Puls mehr. Ihr einer Bruder war bei ihr. Der beste Ehemann von allen fuhr zu seinen Eltern, um ihnen die traurige Nachricht zu ueberbringen.

Dann wurde es hektisch, denn im Judentum werden Tote moeglichst rasch begraben. Die Beerdigung wurde auf 14.30 Uhr angesetzt. Dazwischen musste ich noch moeglichst viele Verwandte, Freunde und Bekannte erreichen und informieren, die Kinder in anstaendige Kleider stecken, meinem Mann eine Tasche fuer die siebentaegige Trauerzeit, die er zusammen mit seinen Geschwistern im Haus seiner Eltern verbringt, packen, Telefonanrufe entgegennehmen, etwas essen und trinken…
Nach der Beerdigung blieben wir noch kurz bei den Schwiegereltern, danach fuhr ich mit den Kindern nach Hause. Wir verbrachten einen ruhigen Shabbat und besuchten meinen Mann am Abend, nach Shabbatausgang.

Von vielen werde ich gefragt, wie ich mich jetzt fuehle. Ich weiss es nicht. Es ist alles noch zu frisch, ganz verschwommen, ich befinde mich in einer Art Niemandsland der Gefuehle. Ich brauche Zeit. Zeit, um alles zu verarbeiten. Zeit, um mir klarzuwerden, wie gross die Belastung wirklich war. Zeit, um mich zu erholen, um wieder zu mir selbst zu finden. Wie lange? Das weiss ich noch nicht. So lange, wie ich eben dafuer brauche.

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Eine Antwort zu Es ist vorbei

  1. David schreibt:

    baruch dayan emet. allen mein herzliches Beileid.
    Und Du schau jetzt zu Dir und schau, dass Du wieder zu Kräften kommst.
    Ein burnout ist in der Hauspflege eher die Regel als die Ausnahme…

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