Leb wohl, Langohr!

Es war einmal ein weisser Hase, eigentlich ein Zwergkaninchen. Das lebte mit einem zweiten Exemplar seiner Gattung in einem Kindergarten, in einem (zu kleinen) Käfig. Eines Tages starb sein Kollege – man gab ihm einen neuen Gefährten, mit dem es sich aber nicht vertrug. Auch die Zusammenführung mit einem weiteren (dritten) Kaninchen klappte nicht. So kam es, dass drei Kaninchen in drei verschiedenen (zu kleinen) Käfigen ein eher trauriges Dasein fristeten.

Dann kamen die grossen Sommerferien, und die drei Kaninchen wurden in drei verschiedenen Familien untergebracht. Nach den Ferien kam nur noch ein einziges Kaninchen zurück… niemand weiss genau, was mit den anderen zwei geschah.

Dieses einzelne weisse Kaninchen wurde unglücklich und aggressiv. Der Kindergarten wollte es loswerden.

Hier kamen wir ins Bild: Da das besagte weisse Kaninchen schon mehrmals Wochenenden, kurze Ferien und Kriege (bzw „Militäraktionen“) bei uns verbracht hatte, wurden wir angefragt, ob wir das Tierchen vielleicht übernehmen könnten.

Konnten wir. Von nun an lebte „Cottage“ (für die Kinder) bzw. „Hasi“ (für mich) bei uns im Garten in einem grosszügigen, unten offenen Käfig, der täglich auf ein neues Rasenstück geschoben wurde. Er blühte auf und begann sich wieder wie ein Kaninchen zu benehmen. Sprich: Er begann, sich Tunnels zu graben und aus dem Käfig auszubrechen.

Nach dem x-ten Ausbruch und dem darauf folgenden Wiedereinfangen hatten wir die Nase voll. Soll das Tier doch frei laufen, wenn es ihm gefällt!. So kam der Hase das Kaninchen ins Paradies auf Erden: Er lief frei inner- und ausserhalb unseres Gartens herum, scheuchte alle verfügbaren Katzen durch die Gegend und knabberte nach Herzenslust alles Essbare an. Nicht einmal Katzen-Trockenfutter war vor ihm sicher.

 

Letzte Woche war der Hase plötzlich verschwunden. Das ist gar nicht seine Art, dachten wir, und als er nach drei Tagen immer noch nicht wieder aufgetaucht war, schwante uns Böses. Wir fanden ihn schliesslich im angrenzenden öffentlichen Park. Er hatte offenbar einen natürlichen Tod erlitten – für ein freilaufendes Kaninchen ist es durchaus natürlich, von einem Hund oder einem anderen Raubtier erlegt und gefressen zu werden.

Mein Mann und mein Sohn begruben heute abend den Kadaver die Leiche die sterblichen Überreste in einer Ecke des Gartens.

Leb wohl, Langohr!

Machws gut, Hasi!

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Eine Antwort zu Leb wohl, Langohr!

  1. Meerschreibfrau schreibt:

    Hatte ich auch, solche Kaninchen – am liebsten gruben sie Tunnel im Schnee 🙂 Irgendwann kam der Marder, aber sie hatten ein glückliches freies Kaninchenleben.

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