Leben in Anspannung

Wir leben mit einem Ohr draussen. In der Nacht starten praktisch pausenlos Flugzeuge von der benachbarten Luftwaffenbasis aus. Warum?

Weil seit Wochen (oder Monaten, ich habe leider nicht mitgezaehlt) jede Nacht und manchmal auch tagsueber Raketen aus Gaza auf israelischem Gebiet landen. Teils schlagen sie in offenem Gelaende ein, teils treffen sie aber – trotz Raketenabwehrsystem, das viele davon abfaengt – auch Gebaeude. Bisher wurde praktisch niemand verletzt („nur“ vier Personen, alle Angst- und Traumapatienten nicht mitgerechnet), aber die Angst und Unsicherheit bei Alarm (bei jedem Alarm) tun das ihre.

Bisher kommen die Raketen „nur“ bis Ashkelon, aber die BUMMs der Abwehr hoert man bei uns. Und es ist wahrscheinlich wieder mal nur eine Frage der Zeit, wann bei uns wieder die Sirenen heulen. Der Luftschutzraum ist bereit, das Bett frei. Vorlaeufig schlafen die Kinder ganz normal in ihren Zimmern, denn ich will ihnen moeglichst lange die Normalitaet erhalten. Sohnemann besucht ein Ferienprogramm des Erziehungsministeriums, Tochterkind ist bei mir daheim. Heute wird im Schulhaus ein Raketendrill abgehalten, wie jeden Monat. Das gibt Routine und kann im Ernstfall eine Panik verhindern.

In Jerusalem wurde gestern die Leiche eines arabischen Jugendlichen aufgefunden. Sehr schnell wurde die Tat als „Racheakt fuer die drei ermordeten Teenager“ verbreitet, vor allem von auslaendischen Medien. Dies fuehrte zu teils gewalttaetigen Demonstrationen – und ja, ich leugne nicht, dass gewisse Kraefte zu Rachefeldzuegen aufriefen. Die Familien von Naftali, Eyal und Gil-Ad haben sich allerdings deutlich von vorschnellen Verurteilungen distanziert. Fuer sie sei arabisches Blut genau gleich schlimm wie juedisches, wenn es vergossen werde. Ich bewundere diese Familien und ihre Staerke. Und natuerlich hoffe ich, dass die Moerder des Jungen bald gefunden und dem Gericht zugefuert werden koennen – ebenso wie die Moerder „unserer Jungs“.

Eines ist sicher – Frieden wird es hier in absehbarer Zeit keinen geben. Eher das Gegenteil, leider.

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