Kriegsmuede

Seit zwei Wochen befindet sich mein Land im Krieg. Offiziell im Krieg, beziehungsweise in einer „bewaffneten Auseinandersetzung“ – was ist hier eigentlich der Unterschied? Seit zwei Wochen haben wir keinen normalen Alltag mehr. Seit zwei Wochen klebt staendig ein Ohr am Radio, um die Nachrichten nicht zu verpassen, und das andere horcht nach draussen, ob nicht etwa die Sirenen heulen. Dies, obwohl seit dem Raketeneinschlag am Freitagabend bei uns alles ruhig blieb. „Nur“ die Nachbarorte kriegten was ab.

Gestern war ein trauriger Tag – 13 von unseren Soldaten kamen ums Leben. Brueder, Soehne, Freunde. Junge Menschen, die das ganze Leben noch vor sich hatten. Traurig. Diese Stimmung merkt man ueberall, wo man auch hingehen mag. Und ja, auf der anderen Seite gibt es viel mehr Tote. Mir tut es leid fuer jeden, der unschuldig ums Leben kommt. Aber es ist Krieg. Krieg ist nie sauber oder gerecht. Im Krieg leiden alle. Und man kann und soll die Toten nicht miteinander aufrechnen.

Gestern war ich mit den Kindern in Ashdod. Mal aus den vier Waenden raus, etwas anderes sehen, sich etwas bewegen. Aber auch dort: Nachrichten auf jedem Handy, traurige und besorgte Gesichter… trotzdem tat es uns gut. Aber – sobald wir daheim waren, heulten in Ashdod wieder die Sirenen und wir sahen zwei Abschuesse direkt ueber unserem Haus.

Es ist noch nicht vorbei, auch wenn der Beschuss aus Gaza in seiner Intensitaet nachgelassen hat. Dafuer infiltrieren Terroristen immer wieder israelisches Territorium und versuchen, in Ortschaften einzudringen und dort Zivilisten zu toeten. Gerade heute morgen wurden in einem recht grossen Gebiet alle Anwohner aufgefordert, bis auf weiteres in ihren Haeusern zu bleiben. Inzwischen sind die 10 Terroristen tot, ohne dass sie Schaden anrichten konnten. Die Leute koennen aufatmen – fuer wie lange?

Wir sind kriegsmuede. Wir haben genug. Genug vom Krieg, aber auch genug davon, unter staendiger Bedrohung zu leben. (Liedtext hier)

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