Das Buch der Bücher

Im Moment habe ich gerade lieben Besuch aus der Schweiz: Meine Mama ist hier! Ausserdem sind Ferien wegen Sukkot, und so machten wir heute zusammen mit den Kindern einen supertollcoolen Ausflug, nämlich ins Bible Lands Museum in Jerusalem, und zwar an die Wanderausstellung „The Book of Books“ (läuft leider nur noch bis zum 18. Oktober). Es war absolut faszinierend.

Als erstes absolvierten wir das Kinderprogramm. Igeret, eine Frau aus der Vergangenheit mit elegantem Kopfschleier, Tochter des königlichen Schreibers, holte uns ab. Sie bat uns, doch unsere Esel zu entladen, da diese auch ein wenig Ruhe bräuchten in der Zeit, in der sie uns die urhebräische Schrift erklärte. Dazu erhielt jedes Kind eine Tonscherbe und ein Alphabet, mit welchem es nach dem Prinzip einer Geheimschrift seinen Namen aufschreiben konnte. Die Scherbe mit dem Namen durfte man behalten.

Igeret fand in ihrer grossen Tasche ein Stück Pergament, dessen Aufschrift (o Wunder!) alle anwesenden Kinder mühelos entziffern konnten – es handelte sich nämlich um Neuhebräisch oder Ivrit. Dies erstaunte die nette Dame so sehr, dass sie zu Hanan ben Hananja rannte, der ihr beim Entziffern helfen und den Besitzer des Pergaments ausfindig machen sollte. Hananja erzählte vom Hof des persischen Königs, wo auf Tontafeln geschrieben wurde. Ebenso gab er uns eine Schriftrolle mit dem königlichen Siegel mit.

Im nächsten Raum wartete ein Sofer Sta“m auf uns, also ein Schreiber, der Thorarollen, Tfillin und Mesusot bzw Megillot schreibt. Er erklärte uns genau, welches Werkzeug er benutzt und was bei seiner Arbeit wichtig ist.  Wir durften ihm sogar beim Schreiben über die Schulter blicken.

Als letztes trafen wir auf Johannes Gutenberg, den Erfinder des modernen Buchdrucks (vor dem Computerzeitalter natürlich). Er zeigte uns seine hölzerne Presse und druckte uns eine Seite. Man könne mit dieser Ausrüstung eine ganze Seite pro Minute drucken, erklärte er. Was fuer ein Fortschritt gegenüber dem langsamen Abschreiben von Hand!

Die oben genannten Personen waren verkleidete Guides, die ihre Schauspieltalente voll ausschöpften (ausser dem Sofer, der war „echt“, d.h. auch im wirklichen Leben Sofer). Die Kinder waren begeistert. Doch es sollte noch besser kommen, der Höhepunkt der Tour stand nämlich erst noch bevor:

Jedes Kind bastelte sein eigenes Heft. Man erhielt Deckel für vorn und hinten, Seiten, die zuerst einmal mit Faden zusammengenäht werden mussten und ein Stück breites, farbiges Klebeband für den Rücken. Dann wurde eifrig gebastelt, und die Kinder durften ihre Hefte nach Herzenslust verzieren – und natürlich mit nach Hause nehmen.

Heft

Nach Stillung des kleinen Hungers, den wir doch inzwischen verspürten, besuchten wir die Wanderausstellung „Buch der Bücher“. Wunderbar gestaltet, sehr informativ und faszinierend bewunderten wir die handgeschriebenen oder gedruckten, teils phantasievoll illustrierten Werke aus der Vergangenheit. Wir sahen unter anderem das älteste erhaltene jüdische Gebetbuch, Psalmen aus unterschiedlichsten Gegenden, einen liebevoll ausgearbeiteten Stammbaum von Adam & Eva an über alle biblischen Gestalten, die Bibel in der Luther-Übersetzung, King James-Bibeln mit berühmten Druckfehlern und so weiter und so fort. Vielerorts konnte man mittels interaktiven  Computerbildschirmen das Gesehene vertiefen oder die ausgestellten Bücher und Schriftrollen im Detail betrachten. Eine wahre Fundgrube und absolut empfehlenswert!

Den Rest des Museums, der ganz sicher auch sehr sehenswert ist, liessen wir weg – es wäre uns zuviel geworden.

 

Zum Abschluss spazierten wir zum Wohl Rose Park gleich neben der Knesset. Zwar blüht um diese Jahreszeit nicht (mehr) sehr viel, aber das viele Grün wirkt sehr beruhigend und entspannend. Und das beste: Ich fand „unsere“ Bank wieder – den Ort, an dem ich mich mit meiner Freundin D. (damals Y.) jeweils von den Strapazen und Frustrationen im Giurprozess erholte. Zwar ist sie viel weniger umwachsen und versteckt als damals, aber doch unverkennbar unsere Bank.

Bamk

Es war ein wundervoller Tag!

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Israel, Judentum, Kinder, persoenlich veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s