Sturm im Goldfischglas

In der Klasse meines Sohnes werden die Geburtstage der Kinder in der Schule nicht gefeiert (dafuer gibt es ja Kindergeburtstage, doch dieses Thema wuerde den Rahmen des Blogeintrags sprengen. Vielleicht schreibe ich ein andermal was dazu,) Statt dessen gibt es  das „Kind der Woche“. Reihum bringt ein Kind von daheim ein Plakat mit, das es mit seinen Eltern zusammen gestaltet hat. Meist sieht man Fotos aus verschiedenen Abschnitten des Lebens (Baby, Geschwister, Hobbies etc), manchmal gibt es auch noch Text dazu. Am Freitag darf dann das betreffende Kind sich vor der Klasse nochmals mit dem Plakat vorstellen und es koennen Fragen gestellt werden. Dann gibt es Kuchen/Suessigkeiten nach Wahl und je nachdem auch ein Mitgebsel („Bhaltis“ fuer die BaslerInnen unter uns).

Am Freitag hatte also ein Kind seinen grossen Tag. So weit, so gut, aber das Mitgebsel liess meinen Puls innerhalb von einer halben Sekunde auf 180 steigen:

Mein Sohn hatte eine Plastikdose in der Hand (Durchmesser ca. 10 cm, Hoehe ca. 5 cm) und darin schwamm in ein wenig Wasser ein lebendiger kleiner Goldfisch!

Ich finde Tiere als Geschenk ungeeignet. Ein Tier bedeutet Verantwortung. Einem Tier sollte man eine moeglichst artgerechte Haltung bieten. Ein Tier ist keine Ware, die man einfach so weiterreichen (oder auch wegwerfen) kann. Finde ich.

Prinzipiell habe ich kein Problem damit, einen Goldfisch hier bei uns aufzunehmen. Vorausgesetzt, ich kann ihm ein richtiges Aquarium und Gesellschaft bieten. Falls ich das moechte, wuerde ich mich im Vorfeld informieren und die Fische erst dann kaufen, wenn alles bereit ist.

Jetzt habe ich aber einen Fisch und kein Zubehoer. Natuerlich habe ich ihn (den Fisch, der vom Sohn den Namen „Sternschnuppe“ bekam) umgehend in einen groesseren Behaelter gesetzt – etwa 100 oder 150mal groesser als die jaemmerliche Plastikdose, in der er zu uns kam. Der naechste Schritt wird sein, ein altes Aquarium aus dem Fundus des besten Ehemannes von allen hervorzugraben, einzurichten und dann den Fisch umziehen zu lassen – zu Artgenossen selbstverstaendlich.

Soviel zu meiner Situation. Da ich aber sehr schlecht den Mund halten kann, schrieb ich meine Meinung (anstaendig und nett uebrigens) in die WhatsApp-Gruppe der Klasse. Das geriet einigen in den falschen Hals, andere konnten – oder wollten? – meinen Standpunkt nicht verstehen. Ich zog mich aus der Diskussion schliesslich ganz zurueck. Meine Frage an all die Befuerworter dieser „Geschenkidee“: Waert Ihr auch so begeistert, wenn euer Kind anstelle eines Goldfisches eine Katze/einen Hund/beliebiges anderes Tier einsetzen bekommen haette? Faendet Ihr das immer noch grossartig? Ich bezweifle es.

In der Zwischenzeit bleibe ich halt die exotische Auslaenderin mit den komischen Ideen zur Haustierhaltung (und auch zur Kindererziehung wahrscheinlich). Naja, ich kann damit leben. Denn „ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.“

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Eine Antwort zu Sturm im Goldfischglas

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