Lieder mit Erinnerungen

Als ich als Lehrerin in einem kleinen Dorf auf einer Gesamtschule arbeitete, schrieb ich mich in meiner Freizeit oefter mal fuer Lehrerfortbildungen ein. Einerseits musste man das (eine bestimmte Anzahl Stunden musste erreicht werden), andrerseits gab es wirklich tolle Angebote.

Da war zum Beispiel der Kurs „Jazztanz“. Er fand lustigerweise in der Turnhalle des Seminars statt, und ganze 2/3 unseres Kollegiums waren anwesend (was nicht allzu schwierig zu bewerkstelligen war, da wir an unserer Schule nur zu dritt unterrichteten). Doch am allerlustigsten war, dass einer der Teilnehmer mein ehemaliger Sportlehrer war. Dazu ist zu bemerken, dass ich damals im Sport eine absolute Niete war und diesem Fach deswegen eine vernachlaessigenswert kleine Menge an Aufmerksamkeit oder gar Ehrgeiz zukommen liess. Meine Staerke lag im Tanz – und da lag diejenige des Sportlehrers eindeutig nicht. Nach fuenf Jahren Sport mit ihm, wo ich eigentlich immer ungenuegende Noten bekam, waren im Kurs die Vorzeichen ploetzlich umgekehrt und es galt: Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Es war schon irgendwie eine Genugtuung, zu sehen, wie dieser sportliche Mensch ploetzlich mit zwei linken Fuessen ausgestattet schien und immer einen halben Takt (und in der falschen Richtung) den Bewegungen hinterherhampelte… den weiteren Kursstunden blieb er daraufhin mit mehr oder weniger fadenscheinigen Ausreden fern. Ich hingegen hatte Feuer gefangen und besuchte in einem Nachbarort „meiner“ Schule weiterhin die Jazztanzgruppe der Kursleiterin.

Oder der wunderbare Kurs „Von der Blockfloete zu…“ Ja, ich gab auch Blockfloetenunterricht, obwohl ich in diesem Instrument nur ganz minimal bewandert war. Die Fortbildung umfasste jedoch weit mehr als nur das Blockfloetenspiel: Da wurde komponiert, arrangiert, gesungen, getrommelt, getanzt, daneben gegessen und viel gelacht. Der Kurs dauerte mehrere Tage und fand im Emmental, im malerischen Kemmeriboden-Bad statt. Ich habe daran nur gute Erinnerungen, und eines der Lieder, die wir dort mehrstimmig interpretierten, war Scarborough Fair/Canticle von Simon & Garfunkel.

Ausserdem hat es mir noch ein anderes Lied aus diesem Kurs bis heute angetan, das leider auf dem Internet so nicht zu finden ist. Der Text ist von Hermann Hesse und lautet so:

 

Flötenspiel

Ein Haus bei Nacht durch Strauch und Baum
Ein Fenster leise schimmern ließ,
Und dort im unsichtbaren Raum
Ein Flötenspieler stand und blies.
Es war ein Lied so altbekannt
Es floß so gütig in die Nacht,
Als wäre Heimat jedes Land,
Als wäre jeder Weg vollbracht.
Es war der Welt geheimer Sinn
In seinem Atem offenbart
Und willig gab das Herz sich hin
Und alle Zeit ward Gegenwart.

Das Gedicht war wunderbar vertont worden (vom Kursleiter, wenn mich meine Erinnerung nicht truegt) und macht mir noch heute eine Gaensehaut.

 

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