Das Dilemma des Doppelbürgers (Teil 2)

Heimat – laut Duden ist dies

  1. Land, Landesteil oder Ort, in dem man [geboren und] aufgewachsen ist oder sich durch ständigen Aufenthalt zu Hause fühlt (oft als gefühlsbetonter Ausdruck enger Verbundenheit gegenüber einer bestimmten Gegend) oder
  2. Ursprungs-, Herkunftsland eines Tiers, einer Pflanze, eines Erzeugnisses, einer Technik o. Ä.

Was bedeutet mir Heimat? Wo ist meine Heimat?

Daheim sein, sich zu Hause fuehlen – das ist wohl ein Grundbedürfnis des Menschen. Es mag Ausnahmen geben, die sich überall (oder nirgends?) so richtig angekommen fühlen, aber die Mehrheit braucht eine Heimat. Daheim ist, wo man sich wohlfühlt, wo man verstanden, geliebt und angenommen wird. Daheim ist da, wo man sich zugehörig fühlt und mitreden, mitmachen, mitdenken kann.

 

Den grössten Teil meines bisherigen Lebens habe ich in der Schweiz verbracht. Ich bin Schweizerin.

Seit über 13 Jahren lebe ich in Israel. Ich bin Israelin.

Ich besitze zwei Pässe, spreche beide Sprachen, ohne nachdenken zu müssen (und noch einige mehr dazu, doch das tut nichts zur Sache), fühle mich in beiden Ländern wohl und zu Hause.

Wie kommt es dazu, dass man zwei so grundverschiedene Länder „Heimat“ nennen kann? Natürlich war das nicht von Anfang an so. Ich brauchte Zeit, um mich an all das Neue zu gewöhnen: Sprache, Mentalität, Klima, „Etikette“ (oder was man hier so darunter versteht), Strassenverkehr, Landschaft.

Inzwischen fühle ich mich hier sehr wohl. Ich habe einen eigenen Freundeskreis aufgebaut, bin im Wohnort recht gut vernetzt, kann Verhandlungen mit diversen Büros und Behörden selbständig führen, kann auch auf Hebräisch schimpfen und mich durchsetzen, wo es nötig ist.

Unser Haus ist wohl eher schweizerisch eingerichtet, die Küche ist ein Mix aus verschiedenen Einflüssen. Wir sprechen beide Sprachen, geben beide Kulturen an unsere Kinder weiter.

Trotz allem bleibt auch die Schweiz meine Heimat. Ich fuehle mich dort wohl, verstehe und spreche die Sprache, kenne mich aus. Wenn ich von Israel aus in die Schweiz fliege, fliege ich „heim“. Fliege ich von der Schweiz nach Israel, fliege ich ebenfalls „heim“.

 

Manchmal ist das schwer auszuhalten.

 

 

Hier noch ein Poetry-Slam-Text von Jana Klar: Ich nehme Heimat mit

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Israel, persoenlich, Schweiz veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Das Dilemma des Doppelbürgers (Teil 2)

  1. michu99 schreibt:

    Wie du geschrieben hast ist für mich Heimat dort wo ich mich wohlfühle aber mittlerweile bin ich in erster Linie Weltenbürger und fühle mich an verschiedenen Orten auf diesem Planeten „zuhause“. Heimat ist in meinen Augen schwierig zu definieren…..

Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s