Ein Kränzchen

Israel ist ein Wunder. Es ist ein Wunder, dass dieser chaotische, schlecht organisierte Staat immer noch existiert, allen äusseren und inneren Bedrohungen zum Trotz. Es ist ein Wunder, dass nicht längst alles zusammengebrochen ist, was zusammenbrechen kann – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Es ist ein Wunder, dass in dieser aufgeblasenen Bürokratie und dieser „es-wird-schon-alles-gut-werden“-Mentalität überhaupt irgend etwas klappt, von reibungslos ganz zu schweigen.

Ich muss jetzt aber doch einmal ein Kränzchen winden, und zwar der israelischen Eisenbahn. Vom 19. bis zum 27. September werden nämlich grosse Gleisarbeiten ausgeführt, so gross, dass drei von vier Bahnhöfen in Tel Aviv in dieser Zeit geschlossen bleiben. Das führt natürlich zu Problemen, denn viele Leute (unter anderem auch ich) pendeln täglich. Die Eisenbahngesellschaft hat im Vorfeld Prospekte verteilt, in denen alles genau aufgeschrieben war, wie der Transport denn in diesen kritischen Tagen organisiert sei. Es gibt kostenlose Ersatzbusse, welche die Unmengen an Leuten an ihren Bestimmungsort bringen. Alle Linien sind in dem Prospekt beschrieben, samt Fahrplänen und Zusatzinfos. Ausserdem erhalten Personen mit Wochen- oder Monatskarten eine Entschädigung in Form einer Aboverlängerung um 8 Tage.

So weit, so gut, aber würde das auf dem Papier gut geplante Szenario der Wirklichkeit standhalten?

Nach drei Tagen kann ich vorbehaltlos sagen: JA! Hunderte, wenn nicht tausende von Helfern stehen allmorgendlich bereit, um die Horden von Reisenden in geordnete Bahnen zu lenken und sie in die bereitstehenden Gratisbusse zu verfrachten, die in Endlosschleife und nicht abreissender Kette die Tel Aviver Bahnhöfe anfahren. Es klappt wunderbar! (Ich mag mir aber nicht ausmalen, welche Planung dahintersteckt, wieviele Stunden da investiert wurden und wie oft sich alle Beteiligten die Haare rauften…)

In diesem Sinne also: Ein Hoch auf die israelische Bahn!

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Eine Antwort zu Ein Kränzchen

  1. vered schreibt:

    Schon das hat Seltenheitswert . Aber inzwischen hat die Bahn sich selber übertroffen. Am 27. September, so hatte man uns versprochen, sollte der Albtraum zu Ende sein und die Eisenbahn wieder iregulär fahren. Doch nur die grössten Optimisten wagten zu hoffen, das könnte klappen. Termingerecht., ma pitom? Wohl eher „nach den Festtagen“, wurde gelästert.
    Aber dann.verkündeten die Medien schon am 24. abends, der Umbau sei fertig, ab sofort gelte der normale Fahrplan, und alle Bahnhöfe würden bedient. Zwei Tage vor der Zeit, eib absolutes Novum in diesem Land! Einen Riesenstrauss der israelischen Eisenbahngesellschaft,!!! Gerne lassen wir uns von ihr ins neue Jahr fahren, wir sind in guten Händen, wie sich gezeigt hat.

    Und die Moral von der Geschicht: Die Israelis können phantastisch organisieren. Bloss tun sie es nur selten, 1) um ihr Improvisatonstalent nicht verkümmern zu lassen, und 2) um „den Feind zu verwirren“.

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