Wohin? – meine Antworten

Hier sind wie versprochen meine Antworten zum Fragebogen:

 

Was bedeutet für Sie der Begriff Flüchtling?

Ein Flüchtling ist ein Mensch, der seine Heimat unfreiwillig verlassen muss, oft mit unbekanntem oder unklarem Ziel.

 

Ist Flucht vor Armut für Sie weniger legitim als Flucht vor Krieg oder politischer Unterdrückung?

Ich denke, die Gründe zur Flucht sind so individuell wie der einzelne Flüchtling. Jeder Mensch hat seine persönlichen Grenzen, die er wahren möchte. Werden sie überschritten, muss er sich zur Flucht entscheiden (oder zum Kampf, aber das steht hier nicht zur Debatte).

 

Und Flucht vor ökologischen Problemen?

Naturkatastrophen wie Dürren, Überschwemmungen, Vulkanausbrüche oder Erdbeben haben seit jeher zu Migrationsbewegungen geführt. Wie oben erwähnt: Ich bin nicht in der Position, die Legitimität einer Flucht zu bestätigen oder zu negieren. Jeder weiss es für sich selbst am besten.

 

Wann hört man auf, Flüchtling zu sein?

Wenn man am neuen Aufenthaltsort Wurzeln gefasst hat. Das bedeutet für mich: Wenn man die lokale Sprache spricht, Freunde unter der einheimischen Bevölkerung hat, sich wohl fühlt, eine Arbeit/einen Lebensinhalt hat.

 

Gibt es für Sie ein Recht auf Asyl?

Menschen, die an Leib und Leben gefährdet sind, sollten ein Recht auf Asyl haben. Doch wo zieht man die Grenze? Ab wann gilt ein Mensch als genug arm/bedürftig/bedroht, dass er Asyl bekommt? (Wenn zum Beispiel kein Geld da ist, um Nahrung zu kaufen, ist das Leben ja indirekt auch bedroht, oder nicht?)

 

Wenn ja: ist es bedingungslos, oder kann man es verwirken?

Ein Flüchtling – wie auch jeder andere Fremde – sollte sich an die örtlichen Gesetze halten und versuchen, sich im Aufenthaltsland zu integrieren. Wer Straftaten jeglicher Art begeht, hat für mich das Recht auf Asyl verwirkt.

 

Glauben Sie, dass eine Gesellschaft begrenzt oder unbegrenzt Flüchtlinge aufnehmen kann? Falls begrenzt: worin bestehen diese Grenzen?

Eine Gesellschaft kann nur begrenzt Flüchtlinge aufnehmen. Diese Grenzen sind allerdings weiter, als allgemein angenommen wird.

 

Gibt es in Ihrem Land privilegierte Flüchtlinge, d.h. solche, die Ihr Land eher aufzunehmen bereit ist als andere? Wenn ja, warum?

Ich denke, jedes Land nimmt lieber produktive Menschen auf, die ihm auch wirtschaftlich etwas bringen können. Diese Art von Flüchtlingen wird meist gar nicht als Flüchtling wahrgenommen, sondern mehr oder weniger direkt in die Arbeitswelt integriert. Daher: Ja, es gibt verschiedene Stufen von Flüchtlingen.

 

Werden Flüchtlinge in Ihrem Land aus Ihrer Sicht gerecht behandelt?

Nein. Ich höre vor allem von Flüchtlingen aus dem Sudan. Sie leben hier zum Teil unter sehr schlechten Bedingungen und haben auch oft nichts zu tun – da ist der Weg in die Kriminalität nicht mehr lang. Doch wie genau behandelt man Flüchtlinge gerecht? Soll man sie von Anfang an in die Gesellschaft einbinden? Ohne Überprüfung? Wie soll das vor sich gehen? Dieser Prozess ist nicht einfach.

 

Wären für Sie Einschnitte im Sozialsystem Ihres Landes akzeptabel, wenn dies helfen würde, mehr Flüchtlinge aufzunehmen?

Bis zu einem gewissen Grad schon.

 

Was sind für Sie Voraussetzungen für erfolgreiche Integration? Gibt es Mindestanforderungen an die Ankommenden?

Jeder Neuankömmling, der in einem Land länger bleiben wird, sollte sich so bald wie möglich darum bemühen, die Sprache wenigstens soweit zu lernen, dass er sich in einfachen Alltagssituationen verständigen kann. Danach sollte er Arbeit/eine Beschäftigung suchen oder sich sonst irgendwie in die Gesellschaft einbringen. Das Gastland sollte aber eine solche sinnvolle Tätigkeit auch ermöglichen (z. B. im Rahmen von Volontariaten oder so).

 

Und an die Aufnehmenden?

Toleranz. Die Bereitschaft, sich auf Neues und Unbekanntes einzulassen, aber auch die Bereitschaft, für die eigenen Werte und diejenigen des eigenen Landes einzustehen. Sich bereichern lassen, ohne sich selbst zu verleugnen.

 

Kennen Sie Flüchtlinge?

Nein. Ich kenne nur Flüchtlinge, die schon lange nicht mehr als solche gelten – die aber unter äusserst widrigen Umständen zum Beispiel aus Persien (dem heutigen Iran) nach Israel geflüchtet sind.

 

Unterstützen Sie aktiv Flüchtlinge?

Momentan nicht.

 

Wie wird sich die Flüchtlingssituation in Ihrem Land entwickeln?

a) in den nächsten zwei Jahren?

b) in den nächsten zwei Jahrzehnten?

Israel ist für Flüchtlinge weniger anziehend als Europa, denke ich. Die Flüchtlinge aus dem Sudan und aus ähnlichen Gebieten werden weiterhin ankommen. Die Zahlen können sich ändern.

 

Können Sie sich eine Welt ohne Flüchtlinge vorstellen?

Leider nein. Dazu fehlt mir der Glaube an das Gute im Menschen. So lange es Menschen gibt, werden sie sich aus verschiedenen Gründen bekämpfen oder einander Ressourcen streitig machen – wodurch Migrations- und Fluchtbewegungen ausgelöst werden.

 

Wenn ja: was braucht es dazu?

Viel Phantasie 🙂  und eine altruistische Gesellschaft, die das Wohl des anderen gleich hoch einschätzt wie das eigene.

 

Haben Sie oder Ihre Familie in der Vergangenheit Erfahrung mit Flucht gemacht?

G-tt sei Dank nein.

 

Glauben Sie, dass Sie in Ihrem Leben jemals zum Flüchtling werden?

Ich hoffe nicht. Auszuschliessen ist es jedoch leider nicht.

 

Wenn ja: – Warum?

Am wahrscheinlichsten wird der Grund Krieg sein.

 

– Wie bereiten Sie sich darauf vor?

Von Zeit zu Zeit mache ich mir Gedanken darüber, was ich mitnehmen würde, wenn ich mein Haus/Land verlassen müsste.

 

– In welches Land würden Sie fliehen?

Am ehesten würde ich wohl in ein nordisches Land fliehen, Norwegen oder so, oder aber in meine alte Heimat.

 

 

Wie viel Heimat brauchen Sie?*

Heimat ist schwer zu beschrieben. Für mich zählen die Leute, die mich umgeben, mehr, als der Ort, an dem ich mich befinde. Ich als Doppelbürgerin habe ohnehin mehr als eine Heimat, wobei mein Ursprungsland sich jetzt doch manchmal fast eher wie ein Gastland anfühlt, während ich in der neuen Heimat wirklich zu Hause bin. Ich denke, am ehesten lässt sich der Gedanke mit den Worten ubi bene, ibi patria zusammenfassen – da, wo ich mich wohl fühle, ist meine Heimat.

 

*Diese Frage ist Max Frischs Fragebogen zu „Heimat“ entnommen.

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