Leben mit AD(H)S

Vorgestern Abend war ich auf einer interessanten Veranstaltung. Frau Oren Zach, ihres Zeichens ADHD-Coach und selber starke ADHSlerin, hielt einen Vortrag zum Thema „Leben mit AD(H)S„.

Wer sich nur über ADHS informieren wollte, wurde enttäuscht. Es kamen nämlich fast keine Zahlen und Fakten, weshalb einige Eltern dann auch frühzeitig wieder gingen. Schade, doch für mich als betroffene Mutter und Ehefrau war der Abend ein Erfolg.

Frau Zach erzählte viel aus ihrem eigenen Leben als ADHS-Betroffene. Nicht nur das, auch ihre zwei Kinder haben ADS, eines mit und eines ohne H. Sie zeigte anhand vieler Beispiele, wie ADHS-Kinder ticken, und wie anders sie ihre Umgebung wahrnehmen. Zum Beispiel werden Hintergrundgeräusche gleich laut (=ergo gleich wichtig) wahrgenommen wie das eigentlich wichtige Gespräch. Deshalb ist die Ablenkung so gross, und es fällt den Kindern sehr schwer, sich zu konzentrieren. Ein Text erscheint einem von ADHS betroffenen Kind (oder Erwachsenen) wie ein Rätsel: Buchstaben sind ungleich gross, verschwimmen, scheinen zu tanzen und sind alles, bloss nicht auf einer geraden Linie angeordnet. So wird das Lesen zum Albtraum. Schreiben ist auch ein Problem, denn in der Mitte des Wortes ist das Hirn schon viel weiter, man erinnert sich nicht mehr an das, was man eigentlich schreiben wollte und lässt deshalb Buchstaben oder auch mal ganze Wörter weg.

Einige – zum Teil erstaunliche – Fakten gab es aber doch: Die ersten Hinweise auf ADHS gibt es zum Beispiel bereits in medizinischen Schriften aus dem Jahre 1798, Ritalin wird seit 1937 verwendet und ist seit 1956 Standard in der Behandlung. Zwischen 5 und 10 % der Bevölkerung leiden an AD(H)S – dass heute vermehrt abgeklärt wird, kommt daher, dass das Bewusstsein dafür zugenommen hat und man eher an diese Diagnose denkt als früher.

Oft tritt ADHS in Kombination mit Legasthenie und/oder Dyskalkulie auf, was das Lernen natürlich doppelt erschwert. Dazu kommt, dass das heutige Schulsystem einem hyperaktiven Kind ganz und gar nicht entspricht, ja nicht einmal entgegenkommt.

Frau Zach zeigte folgende Punkte auf, mit denen man einem ADHS-Kind helfen kann:

  • Coaching
  • Kognitive Verhaltenstherapie (vor allem bei Ängsten und Verhaltensstörungen)
  • Lernstrategien vermitteln
  • Elterncoaching
  • Medikamente (Ritalin u. ä.)
  • eventuell Nahrungszusätze
  • klare Grenzen und Strukturen schaffen
  • gute Zusammenarbeit zwischen Schule und Eltern
  • choose your battles (es lohnt sich nicht immer, eine Diskussion/einenStreit vom Zaun zu brechen – Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden!)
  • solide Werte vermitteln
  • nicht spotten, beleidigen, beschämen
  • die positiven Seiten/Stärken des Kindes betonen und stärken

Alles in allem konnte ich aus diesem Vortrag viel für mich mitnehmen. Es hat sich gelohnt!

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