Von Herzklopfen und Herzrasen

Das Herz wird oft zitiert, wenn es um Liebe geht. Es kann glühen, vergehen, sich verzehren, klopfen, ja sogar brechen. Im Alltag nehmen wir das Herz kaum wahr. Es tut seine Arbeit (seine Pflicht?) tagaus, tagein, regelmässig und ohne Unterbrüche.

Ich bin relativ sportlich, würde ich mal sagen. Ich mache zweimal die Woche Krafttraining und laufe dazu noch zwei- bis dreimal je zwischen 3 und 5 km (manchmal auch 7, aber aus Zeitgründen komme ich momentan nicht so recht dazu). Mein Herz ist G-tt sei Dank gesund und ermöglicht mir solche Aktivitäten.

Doch am Freitagabend wurde mir erst so richtig bewusst, wie wichtig das Herz eigentlich ist. Ich sass nichtsahnend, entspannt und lesend herum, als ich plötzlich ein Stolpern im Puls wahrnahm. Ich hielt dieses Rumpeln für Extrasystolen – unangenehm, aber ungefährlich. Die kenne ich, hatte jedoch schon länger keine mehr.

Nach dem Stolpern war es aber nicht vorbei, im Gegenteil: Mein Puls begann zu rasen. Wohl gesagt ohne Anstrengung meinerseits. Grundlos. Einfach so. Ich spürte das Klopfen im Hals, das Dröhnen in den Ohren. Tak tak tak tak tak tak tak tak… in rasendem Tempo, ohne Strich und Komma.

Ich fühlte mich auch etwas schwummrig, weshalb ich mich aufs Bett legte. Mittels meiner Sportapplikation auf dem Handy begann ich den Puls zu  messen (händisch kam ich mit dem Zählen durcheinander, da der Hals und die Ohren leicht zeitversetzt zum Handgelenk dazwischendonnerten und der Puls viel schwerer ertastbar war als normal). Mein Mann zählte ebenfalls – 200 Schläge pro Minute! So hoch komme ich nicht mal beim Lauftraining!

puls

Es nahm kein Ende. 5 Minuten vergingen, 10, 15… wir riefen einen befreundeten Krankenpfleger an, um Rat zu holen. Er meinte sofort, es handle sich um eine supraventikuläre Tachykardie, auch Herzrasen genannt. Es sei bei jungen (sic!) Leuten recht häufig. Ich müsse mir keine Sorgen machen, solle jedoch zur Aufzeichnung eines EKGs ins Krankenhaus fahren. Währenddessen raste mein Puls weiter, immer so ganz knapp unter 200 Schlägen pro Minute. (Die 95 in der Mitte war wohl ein Messfehler, denn später behauptete das Handy, ich würde den Sensor nicht richtig benutzen – da war der Puls genau 200).

Wir machten uns fahrfertig, gingen zum Auto – ich spürte ein weiteres Stolpern, und schlagartig sank der Puls auf 95, dann auf 80… wir beschlossen, daheim zu bleiben und die Nacht abzuwarten, zumal im EKG nur während des Anfalls etwas zu sehen ist. Der befreundete Krankenpfleger kam extra noch vorbei (obwohl Shabbat war) und beruhigte mich. Das Phänomen sei völlig ungefährlich, aber unangenehm. Er empfahl mir, doch einmal ein EKG machen zu lassen und auch die Schilddrüsenwerte im Blut zu überprüfen. Ich müsse einfach darauf gefasst sein, dass dieses Herzrasen jederzeit losgehen könne. Falls es auftrete, solle ich in ein Krankenhaus gehen und es aufzeichnen lassen. Er zeigte mir die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten auf bis hin zur Ablation (das macht man aber erst, wenn die Störung sehr häufig auftritt und medikamentös nicht einstellbar ist) und erklärte mir verschiedene Massnahmen, die ich während einer Episode ausprobieren kann, um den Puls zu senken und das Herz wieder in normalere Bahnen zu lenken.

 

Ich bin froh und dankbar, dass ich die Nacht gut überstanden habe und dass mein Herz wieder ganz normal schlägt (heute mass ich einen Ruhepuls von 64, nicht liegend oder schlafend). Ich hatte während des Anfalls keine Beklemmungsgefühle und keine Atemnot, nur eine diffuse Angst vor schwerwiegenden Folgen für meine Gesundheit. Der Atem ging die ganze Zeit ruhig und war gut kontrollierbar.

Ich wünsche mir, dass diese Episode sich nie mehr wiederholt. Was bleibt, ist eine Unsicherheit und eine Art fehlendes Vertrauen in mein Herz…

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