Höflichkeit ist eine Zier

… doch weiter kommt man ohne ihr.

Dieser Spruch scheint hier öfter mal das Motto zu sein. Vortritt gewähren? Ich? Wieso denn, ich bin eh schneller! Sich bei der Schlange hinten anstellen? Warum, ich habe doch bloss eine Frage! Tür aufhalten für den nächsten Passanten? Der soll doch selber für sich schauen!

Gewisse Verhaltensregeln, die einem aus Europa so selbstverständlich scheinen und einem so geläufig sind, dass man sie gar nicht mehr als solche wahrnimmt, werden hier konsequent ausser Kraft gesetzt. Den Sicherheitsabstand auf der Autobahn zum Beispiel kann ich gleich vergessen, denn wenn ich ihn einhalte, drängeln sich bestimmt zwei bis drei Autos in die entstehende Lücke.

Besonders auffällig ist der Mangel an Höflichkeit im Zug. Aus der Schweiz bin ich gewohnt, dass man, wenn der Zug einfährt und anhält, erst einmal die Passagiere aussteigen lässt und dann erst einsteigt. Dies beinhaltet, dass man sich neben der Tür positioniert, um den Aussteigenden eine Gasse zu lassen, durch welche sie sich dem Ausgang zu bewegen können. Ganz einfach, oder?

Offenbar nicht. Hierzulande bildet sich sofort eine Menschentraube um die Tür, welche jegliches Durchkommen verunmöglicht. Aussteigen ist oft nur unter Aufwendung von Körperkraft möglich, denn die Masse drängt ja in den Zug. Und zwar so, als gäbe es kein morgen. Man will doch den Zug erwischen, nicht? Und man will auch einen freien Sitzplatz ergattern, denn die sind zu Stosszeiten eher dünn gesät.

Heute wurden wir, also die auf dem Bahnsteig wartenden Passagiere, mehrmals über den Bahnhofslautsprecher aufgefordert, doch bitte zuerst die Leute aussteigen zu lassen, bevor wir selber einsteigen. Wir müssten keine Angst haben, den Zug zu verpassen…

Nutzen? Null.

Und als dann während der Fahrt irgendwann die Durchsage kam, man möge doch bitte seine Tasche nicht auf dem Nebensitz deponieren, sondern auf die Knie nehmen oder in die Gepäckablage stellen, konnte ich nur noch innerlich die Augen rollen.

 

 

 

 

 

 

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