Die Kunst, einen Igel zu streicheln

Meine Tochter wird erwachsen. Jedenfalls äusserlich. Der Körper entwickelt sich langsam vom Mädchen zur Frau. Ihre Interessen verändern sich ebenfalls, von kindlich zu erwachsen(er). Sie achtet auf ihre Kleidung, auf ihre Frisur, darauf, wie sie auf andere wirkt.

Doch innendrin ist eine riesige Baustelle. Wie ich mich habe belehren lassen, werden in der Pubertät sämtliche Leitungen im Gehirn gelöst und neu verknüpft. Das führt dann wohl zu den unreflektierten, urplötzlichen und völlig irrationalen Ausbrüchen, die ihr jeweils drei Minuten später schon wieder leid tun. Nur, um sich weitere drei Minuten später aus anderem Anlass zu wiederholen. Man nehme da noch das Hormonchaos dazu – fertig ist die explosive Mischung.

Der Umgang mit einem Teenager (offiziell braucht meine Tochter ja noch ein ganzes Jahr, um diese Bezeichnung zu verdienen) gleicht dem Tanz auf einem Vulkan. Man weiss nie, ob man jetzt ein Kuscheltier oder einen Igel, eine anschmiegsame Tochter oder ein fauchendes Monster vor sich hat. In Sekundenbruchteilen kann sich alles verändern, von Gut zu Böse und wieder zurück. Man ist abwechselnd die beste Mama der Welt und die allerdoofste, die aus dem letzten Jahrhundert stammt und vom heutigen Leben keinen blassen Schimmer hat.

Jan Weiler hat in seinen Büchern Das Pubertier  und Im Reich der Pubertiere den Nagel so ziemlich genau auf den Kopf getroffen. Auf humorvolle Weise beschreibt er den Alltag mit einem pubertierenden Teenager, eben einem Pubertier. Man erkennt sich selbst in vielen der Vorfälle und Begebenheiten wieder und kann (leider erst im Rückblick) auch darüber schmunzeln. Und: Es ist ungemein tröstlich, zu wissen, dass man mit diesen unberechenbaren und doch oft wieder so liebenswerten Wesen nicht allein ist.

Also, all Ihr Mütter von Teenies und Pre-Teenies, wappnet euch mit Geduld und sagt euch immer wieder das ewige Mantra aller Mütter: Es ist nur eine Phase.

 

 

Und noch so ganz am Rande bemerkt – ich bewundere meine Mutter. Ich muss wohl ganz ähnlich seltsam getickt haben wie jetzt meine Tochter… und Mama hat es geschafft, aus dieser turbulenten Lebensphase ohne bleibende Schäden hervorzugehen. Hoffentlich gelingt mir das auch. So in 10 Jahren vielleicht…

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