Auswandern, aber richtig!

Wer von euch hat nicht auch schon mal mit dem Gedanken gespielt, einfach abzuhauen? Einfach alles zurückzulassen und woanders nochmal ganz neu anzufangen? Auszuwandern?

Wer tatsächlich ausgewandert ist, weiss, dass dieser Schritt nicht einfach ist. Man lässt so vieles zurück: Familie, Freunde, Arbeit, vielleicht auch Sprache, Kultur, Landschaft, Klima…

Was also gilt es zu beachten? Wo liegen die Stolpersteine, die Schwierigkeiten?

Als erstes muss man sich genau überlegen, wohin man auswandern will. Kann ich die dort gesprochene Sprache? Habe ich mit meinem Beruf oder meinen Qualifikationen Chancen auf dem Arbeitsmarkt? Wo werde ich wohnen? Und, falls man einen hat: Zieht der Partner mit?

Doch auch mit dem besten Willen und unter guten Voraussetzungen ist eine Auswanderung nicht leicht. So vieles lässt man zurück, so vieles wird anders. Und: Das Heimweh kommt in Wellen, immer mal wieder. Es wird zwar schwächer, aber auch nach 15 Jahren gibt es noch Momente, in denen ich mich in die alte Heimat zurücksehne.

Und: Naivität ist fehl am Platz. Ich kann hier nur für Israel sprechen – immer wieder gibt es Leute, die mal als Touristen hier waren und sich „in das Land und die Leute verliebt haben“. Dann wollen sie gleich einwandern. Doch als Nichtjude und ohne Hebräischkenntnisse ist dies ein Ding der Unmöglichkeit. Eine Arbeitserlaubnis bekommt „so jemand“ nämlich nur, wenn niemand mit gleichwertiger Qualifikation auf dem hiesigen Arbeitsmarkt zu finden ist. Mal ganz abgesehen davon, dass Firmen den Aufwand für eine Arbeitsbewilligung für einen ausländischen, nichtjüdischen Arbeitnehmer eher scheuen und nur in Angriff nehmen, wenn Punkt 1 erfüllt ist, siehe oben. Die Chance ist also gleich Null.

Ausserdem ist es nicht ganz einfach, hier zu leben. Das sage ich, die ich mich hier inzwischen wirklich beheimatet fühle und auch gerne hier bin (meistens jedenfalls). Das Leben ist teuer, die Löhne und Arbeitsbedingungen deutlich schlechter als in Europa, die Bürokratie ist immens. Man nehme die neue Sprache, die Hitze und die ständige Bedrohung (ok, man spürt sie nicht immer, aber im Hinterkopf ist sie fest verankert) dazu – und schon merkt man, dass alles nicht so leicht ist, wie es klingt.

Ich bereue meine Auswanderung nicht. Aber ich empfehle jeder und jedem, der für sich eine Auswanderung, wohin auch immer, in Betracht zieht, sich die Sache genauestens zu überlegen.

Wer einen kleinen Einblick in die verschiedenen Formen der Auswanderung erhalten will, kann dies hier tun.

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3 Antworten zu Auswandern, aber richtig!

  1. samybee schreibt:

    Wir sind nur für ein paar Jahre in ein deutsches Nachbarland gezogen mit entsprechender Absicherung durch den Arbeitgeber… und es stimmt, was Du schreibst. Ich könnte mir nur schwer vorstellen, hier dauerhaft Fuß zu fassen. Gerade habe ich hier wieder eine „Überfremdungswelle“. Es ist noch nicht mal einfach nur Heimweh, sondern manchmal ist einfach alles anstrengend, weil man immer wieder auf etwas trifft, wo man sich nicht auskennt, wofür man die Sprache trotz allem Lernens nicht gut genug spricht. Und dann kommt doch Sehbsucht nach dem Heimatland auf, wo alles viel einfacher scheint. Dabei ist es gar nicht einfacher, man weiß nur wie es geht oder beherrscht die Sprache gut genug, um herauszufinden, wie es geht. Und man sollte nicht auswandern, um ungelöste Probleme zurückzulassen. Hat man im Heimatland ungelöste Probleme, wird das bei einer Auswanderung nicht besser, eher schlimmer. Im Gegensatz zu Urlaub, wo man sich eine Auszeit vom alltäglichen Triss nimmt. Ich glaube, deshalb kommen viele Menschen im Urlaub auf die Auswanderungsidee – alles erscheint dort einfacher. Bist Du mit deinem Mann zusammen ausgewandert? Liebe Grüße

    • Anima Chutzpanit schreibt:

      Wahre Worte von dir, samybee! Die Probleme kommen nämlich mit ins neue Land.
      Mein Mann ist Israeli, insofern konnte ich aus der Pole-Position starten. Ich hatte jemanden, der Sprache und Gepflogenheiten kannte und mich durch alle Behörden durchlotste.

  2. vered schreibt:

    Hast noch einen Kommentar zugut . Bitte um Verzeihung für die grosse Verspätung.
    Hier vorläufig ein Link zu einem heute erschienen Artikel, der indirekt mit dem Thema zu tun hat:

    http://www.derbund.ch/bern/stadt/was-mich-an-bern-nicht-loslaesst-ist-die-sprache/story/24191710

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